Beschreibung
1978 wurde in Kalamazoo eines der vielseitigsten Distortion-Pedale aller Zeiten entwickelt – das ProCo RAT.
Scott Burnham und Steve Kiraly kamen auf die Idee, nachdem sie praktisch alle damals erhältlichen Distortion-Pedale gespielt, repariert und modifiziert hatten. Sie wollten etwas erschaffen, das es bei MXR, DOD oder BOSS noch nicht gab: ein Pedal, das den gesamten Bereich von Overdrive über Distortion bis hin zu Fuzz abdecken konnte.
1979 perfektionierte Scott schließlich die Schaltung in seiner rattenverseuchten Kellerwerkstatt. Der Rest ist Geschichte.
Das PackRat ist die ultimative Hommage an über 40 Jahre RAT-Entwicklung und ihren Einfluss auf den Sound der Gitarre. Künstler aus nahezu jedem Genre nutzten diese ikonische und unscheinbare schwarze Box für ihre Sounds – darunter Nirvana, Pink Floyd, Metallica, R.E.M., Eagles, Jeff Beck und Radiohead.
Das PackRat verwendet dasselbe einzigartige digitale Switching-System wie unsere anderen Multimode-Pedale Muffuletta und Bonsai. Dabei werden die Signalwege von 261 Komponenten über 40 einzelne Schalter gesteuert. Das bedeutet: Wenn du einen der neun legendären Modi auswählst, spielst du tatsächlich vollständig analoge Schaltungen, die bis hin zu gealterten Bauteilen exakt nachgebildet wurden.
Würde man diese neun seltenen Pedale heute einzeln auf dem Gebrauchtmarkt kaufen, läge der Preis bei etwa 4.000 bis 6.000 US-Dollar (Stand Sommer 2024). Das PackRat liefert all das für 249 Dollar.
Regler
Die Bedienung des PackRat ist unkompliziert:
- Volume regelt die Gesamtlautstärke des Pedals.
- Distortion bestimmt den Gain- bzw. Verzerrungsgrad.
- Filter hellt den Klang auf oder dunkelt ihn ab und arbeitet als einfacher Tiefpassfilter.
- Der Mode-Regler ist ein Drehschalter, mit dem zwischen den neun legendären RAT-Versionen umgeschaltet wird.
Beim Wechsel der Modi wird die analoge Schaltung intern neu konfiguriert – durch unterschiedliche Widerstände, Kondensatoren, Dioden und Operationsverstärker.
Die Recherche
Für dieses Projekt wurden über 100 verschiedene RAT-Exemplare untersucht und ehemalige ProCo-Mitarbeiter zur Entwicklung, Produktion und Evolution des RAT interviewt.
Viele der allgemein akzeptierten „Fakten“ über Unterschiede zwischen einzelnen Versionen oder Klangvarianten – einschließlich einiger eigener Annahmen – erwiesen sich als falsch oder zumindest stark fehlerhaft. Selbst bekannte Webseiten zeigten ungenaue Zeitlinien und falsche Bilder der jeweiligen Modelle. Sogar die offizielle ProCo-Historie ließ zahlreiche Änderungen aus, die in den vergangenen 40 Jahren am RAT vorgenommen wurden.
Um die tatsächlichen Fakten herauszufinden und die Schaltung wirklich zu verstehen, wurden sämtliche jemals produzierten RAT-Versionen – einschließlich einiger Prototypen – detailliert analysiert. Mithilfe moderner Audio-Messtechnik wurden Komponenten vermessen, Vergleichstabellen erstellt, Schaltungen nachvollzogen sowie Logos, Beschriftungen und Designänderungen exakt dokumentiert.
Vintage-Geräte werden häufig anhand von Hersteller-Codes auf Potentiometern oder Knöpfen datiert. Diese Methode ist allerdings unzuverlässig, da ProCo Bauteile oft jahrelang lagerte. Deshalb existieren viele v1-, v2- und v3-Geräte mit überlappenden Datierungen. Zusammen mit jahrzehntelangen Mythen darüber, welche RAT-Version „am besten klingt“, entstand dadurch ein historisches Chaos.
Um eine möglichst präzise Zeitleiste zu erstellen, wurden Bauteile datiert, Zeitzeugen interviewt, über 1.000 Online-Verkaufsfotos ausgewertet sowie Prototypen und Entwicklungsstufen untersucht. Ziel war es, eine belastbare Dokumentation zu schaffen, ohne sich auf bestehende Zeitlinien zu verlassen.
Die PackRat-Modi
1. OG v1 (1979–1983)
Der OG-Modus ist eine exakte Nachbildung der allerersten RAT-Serie. Frühe v1-Modelle werden auch „Fringe Logo“-Versionen genannt, erkennbar am leicht ausgefransten RAT-Schriftzug. Sie besaßen silberne Knöpfe und einen „Tone“-Regler statt des späteren „Filter“-Reglers.
Klanglich sind v1 und v2 nahezu identisch – lediglich die Arbeitsweise des Tone-/Filter-Reglers wurde umgedreht.
2. White Face v3 (1984–1986)
1984 wechselte das RAT in ein kleineres Gehäuse mit weißem Rechteck-Logo – daher der Name „White Face“. Dieses Modell gilt heute als absoluter Kultklassiker.
Ironischerweise ist die Schaltung nahezu identisch mit früheren Versionen. Der Unterschied lag hauptsächlich im Design und im geänderten Filter-Regler.
3. Turbo v5 (1989)
Das Herzstück des RAT-Sounds ist symmetrisches Hard-Clipping. Während frühere RATs Siliziumdioden verwendeten, setzte das Turbo RAT erstmals LEDs ein.
Dadurch entstand ein offenerer, dynamischerer Sound mit mehr Anschlagdynamik und weniger extremer Sättigung.
4. BRAT v6 (1997)
Mit dem BRAT stieg ProCo in den Budget-Markt ein. Dieses Design ergänzte die klassische RAT-Schaltung um Input-Buffer und Soft-Clipping innerhalb des Op-Amps.
Mehrere geänderte Kondensatorwerte veränderten zudem Frequenzgang und Verzerrungscharakter.
5. Dirty v7 (2004)
Der Dirty RAT basiert auf der beliebten „Dirty RAT“-Schaltung aus dem Deucetone RAT. Hier kommen Germanium-Dioden zum Einsatz, die den bislang stärksten Sättigungsgrad innerhalb der RAT-Familie erzeugen.
6. LA (1986)
1986 veröffentlichte Ibanez die 10er-Serie mit mehreren RAT-inspirierten Pedalen. Besonders das LA Metal gilt als eine der interessantesten RAT-Weiterentwicklungen der Achtziger.
Es verzichtet komplett auf Clipping-Dioden – die Verzerrung entsteht allein durch Übersteuerung des Op-Amps.
7. Landgraff MO’D (1999)
Zwischen 1999 und 2000 begann John Landgraff handverdrahtete Boutique-Pedale mit individuellen Lackierungen zu bauen. Das MO’D war eine entfernte Verwandte des RAT und entwickelte sich schnell zum Kultpedal.
8. Caroline (2010)
Kurz nach der Gründung von JHS entdeckte Josh das Wave Cannon von Caroline Guitar Company. Entwickelt von Philippe Herndon, kombinierte es klassische RAT-Ideen mit modernen Erweiterungen und wurde deshalb Teil des PackRat-Projekts.
9. JHS Mode
2003 kaufte Josh in Alabama für 15 Dollar ein Vintage-Small-Box-RAT. Dieses Pedal blieb über zehn Jahre auf seinem Board und führte schließlich zu seinen ersten eigenen RAT-Modifikationen.
Aus diesen Mods entstanden später das JHS All American sowie der bekannte „PackRat“-Mod, der zwischen 2008 und 2018 an tausenden RAT-Pedalen durchgeführt wurde.
Der JHS-Mode bewahrt den typischen RAT-Charakter und ergänzt ihn um einige von Joshs Lieblingsmodifikationen.





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